Nachhaltigkeit – ein alter Hut?

VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN

Seit drei Jahrhunderten als Prinzip bekannt, seit Jahrzehnten in aller Munde – man kommt um die Idee der Nachhaltigkeit nicht herum, wenn es um Zukunftsfragen geht, um Ökologie und das Abwägen von Kosten und Nutzen.

Insofern hat Nachhaltigkeit bei Wohnungsgenossenschaften Tradition. Auch die EWG bewirtschaftet ihre Wohnungen nach dem Grundsatz der Nachhaltigkeit: Investitionen in Instandhaltung und Modernisierung machen unseren Wohnungsbestand zukunftsfähig. Und sie sind so bemessen, dass sie dauerhaft aus den Einnahmen finanziert werden können, ohne das Ziel bezahlbarer Mieten aus dem Blick zu verlieren. Die Unterstützung des nachbarschaftlichen Miteinanders und ein ansprechendes Wohnumfeld gehören zum „Gesamtpaket Wohnung“ selbstverständlich dazu.

Angesichts der großen Herausforderungen auf den Gebieten von Klimawandel, Energieeffizienz und Umweltschutz stellt sich aber die Frage, wie weit eine Wohnungsbaugenossenschaft in Sachen Nachhaltigkeit gehen kann und soll. Wie weit reicht ihre ökologische Verantwortung?

Hauptanliegen der EWG ist, dass sich unsere Mitglieder in ihrer Wohnung und ihrem Wohngebiet wohlfühlen. Ein grünes Wohnumfeld mit Spiel- und Erholungsmöglichkeiten vor der Haustür war schon immer ein Markenzeichen unserer Quartiere. In den letzten Jahren ist das Bewusstsein dafür gewachsen, dass Grünflächen nicht nur schön aussehen und die Wohnqualität steigern, sondern auch einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten können. Diese erweiterte Perspektive hat dazu geführt, Gewohntes zu hinterfragen und Neues zu probieren. So wird der übliche Rasen an immer mehr Stellen von artenreicheren, insektenfreundlichen Wiesen abgelöst und der Baumbestand für die künftigen klimatischen Bedingungen fit gemacht.

Kurz gesagt bedeutet Nachhaltigkeit, dass man in der Gegenwart nicht auf Kosten der Zukunft lebt.

Das Flächenpotenzial für Neuerungen ist ziemlich groß, allerdings werden sich unsere Wohngebiete natürlich nicht in riesige Naturschutzgebiete verwandeln. Denn dem Streben nach mehr Natur sind klare Grenzen gesetzt:

  • Aufenthaltsbereiche, Spielplätze und Wäschetrockenplätze sollen bestimmungsgemäß nutzbar sein.
  • Die Genossenschaft muss ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen: Niemand darf durch „zu viel Natur“ zu Schaden kommen.
  • Gebäude, Mauern, Wege etc. sollen nicht durch Tiere oder Pflanzen beschädigt werden, z.B. Fassaden durch Efeu oder Spechte.
  • Ein gewisses Maß an Ordnung, Sauberkeit und Ästhetik soll gewahrt bleiben.
  • Die finanziellen Auswirkungen sind zu bedenken, schließlich müssen für viele (Folge-) Kosten unsere Mitglieder aufkommen. Pflegeintensive Grünanlagen bringen relativ hohe Kosten mit sich, jedoch bedeutet eine „ökologischere“ Bewirtschaftung nicht automatisch geringere Kosten, so steigt z.B. der Arbeitsaufwand durch den Verzicht auf chemische Hilfsmittel. Gegengesteuert werden kann durch eine durchdachte Gestaltung und eine Artenauswahl, die den künftigen Pflegeaufwand minimiert.


Genau diese Abwägungen sind es, die Nachhaltigkeit
ausmachen. Den alten Hut setzen wir uns deshalb gerne auf. Er steht uns ziemlich gut.

Antje Neelmeijer

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