40 Jahre Gorbitz

GRÜNE OASE IN DER STADT

Es war im Frühsommer 1987, sechs Jahre nach der Grundsteinlegung von Gorbitz. Meine Tochter hatte gerade das Laufen gelernt und wir waren zum Kaffee bei Freunden eingeladen. Sie waren aus einer kleinen, beengten 1-Zimmer-Wohnung im Dachgeschoss nach Gorbitz in eine neu gebaute 4-Raum-Wohnung mit Balkon gezogen.

Ich kann mich noch gut erinnern, die Straßenbahn fuhr damals bis zur Kirschenstraße. Dort angekommen, machten wir uns auf die Suchenach ihrem neuen Zuhause.

Die Gegend glich einer Mondlandschaft: kein Baum, kein Strauch, dafür Erde und Reste von Plattenbauteilen. Zwischen den provisorischen Wegen sprießte das Unkraut und in den zahllosen Vertiefungen bildeten sich Pfützen, in denen sich an diesem Tag die Sonne spiegelte.

Genau hinter einer solchen Pfütze wuchs eine Blume, die es meiner Tochter angetan hatte. Aus Angst, sie könnte beim Pflücken ausrutschen und in der Pfütze landen, wollte ich mein Kind festhalten. Aber – wir landeten beide in der Pfütze, sehr zur Belustigung der „Zaungäste“ auf den umliegenden Balkonen. Nass und schmutzig, aber mit einem Blumenstrauß in der kleinen Kinderfaust, kamen wir bei unseren Freunden an.

Ewg Dresden Stadtblick Park Frühling

HISTORIE

Alleen und Baumreihen haben in Dresden eine lange Tradition. Der Artenreichtum aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts, für den Dresden bekannt war und ist, ging zwar seit dem Ende des Krieges zurück, wurde aber seit den 1990er Jahren längst wieder erreicht und übertroffen. Derzeit bilden circa 54 000 Bäume ein attraktives grünes Grundgerüst an Dresdner Straßen. Aktuell zählt der Bestand etwa 290 verschiedene Arten und Sorten.

Wenn ich heute durch Gorbitz laufe und an diese Episode denke, kann ich kaum glauben, was sich in Punkto Grün in den 40 Jahren hier getan hat. Allein der Baumbestand der EWG lässt einen staunen. Hier finden sich seltene Sorten wie der Amberbaum mit seiner beeindruckenden Herbstfärbung, Lederhülsenbäume oder Schwarzbirken, die ursprünglich aus Sibirien stammen. Auch solche Raritäten wie der Schnurrbaum mit seinen leuchtend gelben Blüten wachsen hier.

Viele dieser Bäume prägen entscheidend das Bild (und die Namen!) der Straßen in Gorbitz. Ich denke da auch an den Maulbeerenbaum in der Ginstersiedlung, dessen Früchte essbar und sehr lecker sind und die Japanischen Kirschen in der Herzogswalder Straße mit ihrer beeindruckenden Baumblüte!

Wer hätte gedacht, dass 40 Jahre Gorbitz auch einmal für (fast) 40 Jahre Grün und 40 Jahre Baumalleen stehen wird?

Astrid Hoffmann

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