Ordnung um jeden Preis?

TOLERANZ ÜBEN

In den Wohngebieten der EWG wird künftig gänzlich auf Herbizide zur Unkrautbekämpfung verzichtet!

Bei Grün- und Freiflächen gehen die Meinungen, wie „aufgeräumt“ es sein soll, auseinander. Während die einen nach sauberen Fugen und gepflegtem Rasen streben, erfreut es die anderen, wenn sich die Natur ihren Weg bahnt. Natürlich muss Unkraut & Co. soweit in Schach gehalten werden, dass keine Schäden entstehen und Flächen bestimmungsgemäß genutzt werden können.

Beim Thema Unkraut gewinnt man heute aber den Eindruck, auf den Kriegsschauplatz „Mensch gegen Natur“ geraten zu sein. Hartnäckigkeit, Einfallsreichtum und große Kraftanstrengungen auf beiden Seiten – und nicht selten auch Einsatz chemischer „Kampfstoffe“.

Löwenzahn

Zwar sind synthetische Unkrautvernichtungsmittel, sogenannte Herbizide, eine effiziente und preiswerte Methode, um  unerwünschten Bewuchs zumindest zeitweilig fernzuhalten. Allerdings gehen mit dem Einsatz dieser Substanzen einige gravierende Risiken einher:

  • Die Stoffe können vom Regenwasser ausgewaschen werden und über die Kanalisation ins Grund-/Trinkwasser gelangen.
  • Die Wirkstoffe können Boden bzw. Bodenorganismen schädigen.
  • Viele Herbizide machen keinen Unterschied zwischen erwünschten und unerwünschten Pflanzen.
  • Herbizide müssen regelmäßig angewendet werden.
  • Einige Herbizide können für Insekten, Wild- und Haustiere schädlich sein.

Deswegen ist der Einsatz von Herbiziden auf befestigten Flächen wie Wegen oder gepflasterten Einfahrten vom Gesetzgeber untersagt. Denn hier ist die Gefahr besonders groß, dass die Wirkstoffe mit dem Regen ins Grundwasser gelangen. Auf gärtnerisch genutzten Flächen dürfen Herbizide nur mit Genehmigung verwendet werden.

Die EWG hat sich entschieden, solche Ausnahmegenehmigungen bis auf weiteres nicht mehr freizugeben. In Abstimmung mit den beauftragten Grünpflegefirmen werden geeignete alternative Verfahren eingesetzt. In den meisten Fällen wird das einen größeren Zeitaufwand pro Fläche bedeuten. Deswegen wird geprüft, an welchen Stellen Bewuchs tatsächlich regelmäßig entfernt werden muss und wo eine natürliche „Fugenbegrünung“ mit Moos, Wegerich, Klee oder Gänseblümchen unter ökologischen Gesichtspunkten durchaus ein Gewinn sein kann.

Übrigens: Die umweltfreundlichste Variante, dem Unkraut beizukommen, ist das klassische Unkrautzupfen. Oder man atmet tief durch und übt sich in Toleranz gegenüber der „Unordnung“, die eigentlich keine ist.

Konstanze Mally

3. Juni 2021
Ein Beitrag der Kategorie: Wohnen + Leben

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