Bäume: Fällen und neu pflanzen

WENN ES DEN BÄUMEN ZU TROCKEN WIRD

Die Auswirkungen des Klimawandels werden leider auch in unseren Wohngebieten sichtbar.

Im Winter mussten auf den Grundstücken der Genossenschaft 132 Bäume gefällt werden, so viele wie noch nie! Bäume unterschiedlichen Alters, in fast allen Quartieren, darunter viele Birken und Ebereschen.

Wie die beiden Vorjahre war 2020 deutlich zu warm und zu trocken. In Dresden war das Frühjahr 2020 das trockenste seit 1961. Dies setzt den Bäumen zu und macht sie anfälliger für Krankheiten und Schädlinge.

Im Herbst fielen in den Quartieren bereits einige Bäume auf, die  abgestorben waren. Bei anderen wurde die Schädigung erst von Fachleuten erkannt, beispielsweise bei Pilzbefall.

Totholzlagerplatz Ostragehege 1920x1440

In solchen Fällen müssen unter Umständen auch grüne, also vermeintlich(!) gesunde Bäume gefällt werden, weil von ihnen eine Gefahr ausgeht. Die EWG ist im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht dafür verantwortlich, dass auf ihren Grundstücken keine Passanten, spielende Kinder oder parkende Autos durch herabfallende Äste oder umstürzende Bäume zu Schaden kommen.

Die Entscheidung, einen Baum zu fällen, wird von der Genossenschaft nie leichtfertig getroffen. Schließlich sind Bäume Gestaltungselement,  Lärm- und Windschutz, Lebensraum für Tiere, Schattenspender und Luftverbesserer. Den Verlust eines großen alten Baumes können neu
gepflanzte Bäume auf absehbare Zeit nicht ausgleichen. Deshalb wird nur gefällt, wenn Pflegemaßnahmen keine Aussicht auf Erfolg haben. Auch bei Bauvorhaben sind wir bestrebt, möglichst viele Bäume zu erhalten.

Ob an der Stelle eines gefällten Baumes wieder ein neuer gepflanzt wird, ist vom Standort abhängig. Keine neuen Bäume werden auf  Feuerwehrzufahrten, sehr dicht am Gebäude oder auf Grundstücksgrenzen gepflanzt. Auch über die Baumart entscheidet der jeweilige Standort: Bietet er Platz für einen großkronigen oder nur einen
kleinkronigen Baum? Wären herabfallende Früchte störend oder eher nicht? In letzter Zeit wird außerdem darauf geachtet, klimafeste Bäume auszuwählen, die nach der Anwachszeit Hitze und Trockenheit verkraften.

Diese Umstellung des Baumbestandes ist ein schrittweiser, langfristiger Prozess. Aber schon jetzt werden in unseren Wohngebieten auch „Klimabäume“ gepflanzt, Einige dieser neuen Nachbarn wie Amberbaum und Zerreiche möchten wir Ihnen demnächst in loser Folge vorstellen.

 

Baumstumpf Gottfried Keller Platz

In ganz unerwarteter Weise erhalten wurde eine der vier Säulenpappeln, die Ende 2020 am Gottfried-Keller-Platz gefällt wurden.

Die mit der Fällung beauftragte Firma entdeckte in ca. 4m Höhe eine große Stammhöhle, die mit dunklem Mulm gefüllt war. Ein  Fachgutachter bestätigte den Verdacht, dass es sich um ein Vorkommen des sehr seltenen Juchtenkäfers (Osmoderma eremita) handelt. Er gilt laut Roter Liste als stark gefährdet. Etwa 100 Larven wurden gezählt. In Absprache mit der zuständigen Naturschutzbehörde wurde das Stammstück auf den Totholz-Lagerplatz im Ostragehege gebracht und dort wieder aufgestellt. Nach dem fachgerechten „Umzug“ kann das umgesetzte Stammstück nun weiteren Käfergenerationen als  Lebensstätte dienen.

Konstanze Mally

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