Ausstellungseröffnung | Wohnmaschine 2.0

„Ist das Kunst oder kann das weg?“

Die Installation „Wohnmaschine 2.0“ ist Teil der Ausstellung „WBS70 – fünfzig Jahre danach. Kunst.off Plattenbau“ der Galerie Kunsthaus Raskolnikow. Die Ausstellungsstücke sind Leihgaben aus den Depots des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt.

Mit diesem, wenn auch nur leise formulierten Vorurteil, reagierte ich auf die erste Anfrage der Ausstellungsmacher von „WBS70 – fünfzig Jahre danach. Kunst.off Plattenbau“. Alltagsgegenstände der DDR? In einer unserer Wohnungen im DDR-Plattenbau? Wer will das sehen?

Enthusiastische Künstler und engagierte Marketingmitarbeiter überredeten mich, die Bedenken blieben bis zur Ausstellungseröffnung in unserer Genossenschaftswohnung auf der Hainbuchenstraße 10.

Orange Haushaltsgegenstände waren fein säuberlich auf dem Boden ange-ordnet. Ich war überrascht, wie viele Gegenstände es in orange gegeben hat. Und dann kamen die Erinnerungen: Genauso einen orangen Klammerkorb hatten wir und auf genauso einem orangen Töpfchen hatten meine Kinder auch gesessen…. Viele der Ausstellungsstücke werden gerade bei den Gorbitzern vertraute Erinnerungen wecken, leben doch viele bereits seit Jahrzehnten in diesem Stadtteil. Ob die Seifendose oder die Thermoskanne, der Korb für Wäscheklammern oder der unverwüstliche Mixer RG 28 – alle wurden in der DDR designt und gehörten zum Alltag vieler Menschen.

Immer mittwochs 16 Uhr

lädt Kurator Tomasz
Lewandoski zu kurzen,
geführten Besichtigungen ein.

Bitte informieren Sie sich zu aktuellen Öffnungszeiten unter Corona-Bedingungen, auch für
das Jahr 2021, unter:

http://kunstoffplattenbau.de

Der Eintritt ist frei.

In der Ausstellung „Wohnmaschine 2.0“ ordnet der Cottbuser Künstler Martin Maleschka diese Alltagsgegenstände aus der DDR-Zeit als Installation an und ermöglicht so neue Sichtweisen „Durch die unterschiedlichen Formen, Höhen und Maße ergibt sich eine Silhouette, die – stellt man sich den Blick aus einem Flugzeug vor – an eine Stadt aus der Vogelperspektive erinnert.“, so der Künstler.

Für mich, für uns, für die Mitglieder und Besucher ist die Ausstellung mit Sicherheit eine Bereicherung, blicken die meisten doch mit positiven Erinnerungen auf den Alltag, auf das Wohnen im Plattenbau, auf eine oft schöne Zeit mit der Familie und den Nachbarn. Daher freue ich mich nun sehr, dass wir der Ausstellung mit einem unserer letzten „ostalgischen“ Wohngebäude den passenden Rahmen bieten konnten. Mit dem Gedanken, dass es im Plattenbau nicht nur grau gewesen sein kann, sondern orange und das ziemlich ausgeprägt, verlasse ich die Wohnung.

Antje Neelmeijer

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