Briesnitz

BORNGRABEN, SCHULBERG UND ZSCHONERALLEE

Die in diesem Beitrag vorgestellten Straßen verdanken ihre Entstehung den Aktivitäten der 1911 gegründeten Eigenheimsiedlung Briesnitz-Dresden e.G.m.b.H., die 1979 mit der AWG Deutsche Reichsbahn fusionieren musste und von der alle heute im Besitz unserer Genossenschaft befindlichen Altbauten in Briesnitz errichtet wurden.

Zentral liegt die Straße mit dem seltsamen Namen Borngraben. Seltsam deshalb, weil die Straße nicht Am Borngraben, Borngrabenweg oder Borngrabenstraße heißt. Man könnte glauben, es handelt sich um einen Graben.
Aber es ist eine Straße auf einer Anhöhe parallel zu einer deutlichen Geländekante. Unterhalb von dieser gab es früher tatsächlich einen Borngrabenweg. Der verlief neben dem Borngraben, der einen Teil des auf dem Hang anfallenden Wassers in die Elbe leitete. Born, als altes Wort für Quelle, deutet auch darauf hin, dass sich am westlichen Ende des Grabens eine Quelle befunden haben könnte.

Fruehereborngrabensenkevonosten
frühere Borngrabensenke von Osten
Borngraben Westlicherteil
westlicher Teil am Borngraben

Zusammen mit dem Borngraben führte der Weg in alter Zeit in einer Senke zum Elbufer und der dortigen Furt. Er war damit Teil des früheren Bischofsweges. Der Bau der Eisenbahn um 1875 ließ die Situation unmittelbar an der Elbe verschwinden. Die Neuanlage der heutigen Meißner Landstraße als Autobahnzubringer kurz vor dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere der vierspurige Ausbau dieser Straße um 1995 haben das Gelände westlich der Eisenbahn völlig verändert.

Von der Elbe her kann man die Senke und die Einmündung des Grabens erkennen. Auch in Altbriesnitz ist der Borngraben sichtbar. Ein Stück weiter westlich, unterhalb der Straße Borngraben, ist die südliche Böschung der Grabensenke durch den Lehmabbau nach und nach verschwunden.

Borngraben Strassenschild

Die Eigenheimsiedlung baute zuerst auf einem Areal westlich des Friedhofs, das bis hinunter zum alten Marktweg reichte. Dort wurde auch der Anfang der Straße Borngraben angelegt. Auf der Nordseite entstanden 1913 die Häuser 1 – 13. Erst 1924/25 wurde diese Bebauung mit weiteren Reihen- und Doppelhäusern bis zur Nummer 39 fortgesetzt. Unmittelbar darauf begann auch die Bebauung der Südseite. Zu dieser Zeit war der Borngraben
auf ganzer Länge schon als Straße ausgebaut. Von der Einmündung der Straße Auf dem Eigen bis zum Schulberg entstand 1927 die Bebauung der Nordseite. Der Borngraben ist damit eine Straße, deren komplette Bebauung durch einen Bauherrn errichtet wurde. Unserer Genossenschaft gehören heute die Häuser mit den geraden Nummern 4 bis 36.

Die Straße Schulberg erhielt ihren Namen 1926. Sie ist die Verlängerung der Roquettestraße nach Nordwesten und ungefähr 400 Meter lang. Der Höhenunterschied zwischen dem Beginn und dem Ende des Schulbergs beträgt etwa 10 Meter. Das erklärt den Namen: „Oben auf dem Berg“ befindet sich tatsächlich eine Schule.

Briesnitz hat eine lange Schultradition. An der Alten  Meißner Landstraße steht das erste für Schulzwecke errichtete Gebäude. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist das älteste erhaltene Schulgebäude in Dresden. Zwar wurde es auch anderweitig genutzt, so waren im Untergeschoss Gefängniszellen untergebracht, doch es ist bemerkenswert, dass schon damals auf einem Dorf für Schulzwecke gebaut wurde.

 1880 wurde an der Merbitzer Straße (heutige Nr. 9) ein neues Schulhaus errichtet. Es ist schon bald darauf erweitert und 1903 mit einer Turnhalle ergänzt worden. Schon vor Baubeginn der Eigenheimsiedlung war der Bevölkerungszuwachs so groß, dass man ein zweites Schulgebäude brauchte. Dieses wurde 1909 fertiggestellt und fällt durch seine für die damalige Zeit sehr fortschrittlichen klaren Formen auf.

Zur Erschließung der Schulgebäude gab es damals auf dem späteren Schulberg einen Straßenstummel und Wege. Der heutige Verlauf stand um 1905 fest und bereits 1927, vor dem Bau der ersten Genossenschaftshäuser, war die gesamte Straße endgültig ausgebaut.
1928 waren die genossenschaftlichen Miethäuser 1 – 15 sowie das Doppelhaus 17/19 auf der linken Seite bezogen.

Schulberg Neuesschulgebaeude
saniertes Schulgebäude am Schulberg

Auf der rechten Seite wurden zwischen 1928 und 1939 drei private Wohngebäude gebaut, von denen das Eckhaus mit der Apotheke das größte ist. Auf der Fläche zwischen diesen und dem Borngraben stand lange zu keiner Wohnbebauung, da sich dort das Fabrikgelände der Briesnitzer Stahlquelle, die das Wasser einer 1904 entdeckten Quelle verarbeitete. Briesnitzer als Getränkemarke war auch in der DDR noch ein Begriff. Um die Jahrtausendwende
entstand an dieser Stelle eine Reihenhaussiedlung.

Der obere linke Teil des Schulbergs wurde 1932 und 1935 von der Eigenheimsiedlung mit sehr einfachen langen Blöcken bebaut. Heute gehören unserer Genossenschaft die Häuser Schulberg 1 – 15 und 21 – 43.

Schulberg

Zschonerallee Anfang
Zschonerallee Strassenschild
Schulberg Strassenschild


Die Zschonerallee wurde im Herbst 1927 benannt, zu  dem Zeitpunkt, als die Genehmigungen für ihre nördliche Bebauung erfolgten. Nur etwa 190 Meter lang führt sie über das durch den Lehmabbau für die Nötzoldsche Ziegelei veränderte Gelände. Namensgeber sind hier Zschonergrund und Zschonerbach, in deren Richtung sie ungefähr verläuft. In früheren Zeiten wurden alle diese Namen auseinander geschrieben.

Ihre Lage und ihr Verlauf ergaben sich aus mehrfach veränderten Plänen für die vorgesehene Bebauung durch die Eigenheimsiedlung. 1926 stand die heutige Form fest. Die Straße sollte aber viel länger werden und in ihrem westlichen Teil parallel zum Borngraben bis auf Höhe dessen ersten Hauses verlaufen. So hätten auf ihrer rechten Seite noch weitere acht Wohnhäuser stehen können, wie im vorderen Teil gebaut. Finanzielle Probleme verhinderten dies.

Auf dieser Seite ist auch gut zu erkennen, dass das gesamte Gelände hier durch den Lehmabbau abgesenkt wurde. Über diese Fläche lief vorher Jahrhunderte lang der Marktweg aus Richtung Zschonergrund zur Alten Meißner Landstraße. Alle Häuser an der Zschonerallee wurden 1928 von der Eigenheimsiedlung gebaut und gehören heute unserer Genossenschaft.

Götz Krüger

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