Gebäudeschäden durch Sommerfrost!

BEWEGTER UNTERGRUND

Gründungsertüchtigung Saalhausener Straße

Was zunächst wie „Gefrierbrand“ und nach einem Gag der Werbeindustrie klingt, hat leider für einen Wohnblock an der Saalhausener Straße erschreckende Folgen: Betrachtet man das Gebäude der Saalhausener Straße 33 – 33c näher, sind zahlreiche Fassadenrisse zu erkennen. Im Kellergeschoss, vor allem in Gebäudemitte, sind Fugenflanken mit Rissen von bis zu 10 mm Fugenbreite messbar. Die breiteren Risse scheinen bereits älter zu sein. Die angelegten Messpunkte weisen auf eine rasche Fortsetzung der Bewegung im Gründungsbereich hin.

Die extreme Hitze und Dürre in den vergangenen Jahren führten zur Austrocknung tiefer Erdschichten. Wie bei einem „verschrumpelten“ Apfel wurde dadurch das Volumen kleiner. Je nach Bodenbeschaffenheit geschah dies unterschiedlich stark oder auch sehr ungleichmäßig. Der geschrumpfte Boden kann sich nun im Extremfall auf das Fundament eines Hauses auswirken und zu Setzungsrissen führen.

Um diese These zu bekräftigen, wurde im April 2021 ein Bodengutachten in Auftrag gegeben. Das zeigt, dass dort in der Nähe noch im Jahr 1912 der Roßthaler Bach verlief, der um 1920 verlegt wurde. Auch die Saalhausener Straße selbst folgt offenbar einem alten Bachbett. Die Bachaue zwischen diesen beiden Bachläufen ist mit losem Gesteinsmaterial verfüllt – genau da, wo seit Jahrzehnten mehrere Häuser der EWG stehen. In den ersten Sondierungen wurden die – ausgehend von der geologischen Situation – zu erwartenden Schichtenfolgen angetroffen. Abweichend davon wurden etwa mittig in der Gebäudelängsachse im Bereich der stärksten Rissbildungen in tieferen Schichten Auffüllungenin weicher Konsistenz nachgewiesen. Die Lehme waren dabei in tieferen Lagen stark vernässt, was für diese Lage sehr untypisch ist. Ob nun die üppigen Niederschläge des letzten Jahres dazu führten, dass der Roßthaler Bach sein altes Bett gesucht und zwischen den ausgetrockneten Schichten offenbar gefunden hat, ist unerheblich. Die Durchnässung in der Tiefenlage ist die zweite Ursache für die besonders starken Rissbildungen im Eingang 33b.

     alte Flurkarte mit Roßthaler Bach    
     Quelle: Themenstadtplan Landeshauptstadt Dresden    

     Risse im Fundament    

Damit das Gebäude nicht einstürzt, müssen dessen unterspülte Fundamente nun in Spezialverfahren aufwändig gesichert werden. Oberflächennahe Gründungsertüchtigungen sind für die massiveren Rissbereiche ausgeschlossen. Somit sind in Gebäudemitte ausschließlich Tiefnachgründungen erforderlich, wobei auf Grund der sehr eingeschränkten  Räumlichkeiten im Keller nur eine Ertüchtigung mittels  Hochdruckinjektionsverfahren (HDI) erfolgen kann. Im Hochdruckinjektionsverfahren wird mit einem kleinen Kettenfahrzeug mit einem Bohrgestänge und einer Bohrkrone unter dem Fundament gebohrt. Am inneren hohlen Bohrgestänge ist im unteren Bereich eine Düse angebracht, durch die Zementsuspension bzw. Wasser unter hohem Druck eingepumpt wird. Der Hochdruckstrahl besitzt so viel Energie, dass der Boden aufgeschnitten wird. Bei gleichzeitigem Drehen und Ziehen des Bohrgestänges entsteht ein zylindrischer Raum, der mit einem Gemisch aus Boden, Zement und Wasser gefüllt wird. Durch den Zementanteil härtet das Gemisch aus, eine HDI-Säule entsteht.

Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Um mit dem Kettenfahrzeug im Keller fahren und drehen zu können, mussten Platz und Durchbrüche geschaffen werden. Die HDI-Arbeiten sind für August geplant. Danach werden die Durchbrüche wieder verschlossen und Kellerfußböden und Außenanlagen wieder hergestellt. In Gebäudemitte werden die in der Abbildung dargestellten Säulen die Tragfähigkeit des Gebäudes
wesentlich verbessern. In den nicht bearbeiteten Bereichen des Gebäudes (Haus 33 sowie 33 c) kann der Sommerfrost durch den Wasserentzug im oberflächennahen Bereich weiterhin kleinere Setzungen hervorbringen.

Wir hoffen, dass alle Arbeiten folgenfrei laufen und bedanken uns bei allen Bewohnern für die super Kooperation und Mitarbeit bisher!

Saalhausener Str. Gründungsertüchtigung

Gründung verbessern durch Betonsäulen

Wenn Sie Risse in Ihrem Keller oder Treppenhaus sehen, müssen Sie aber keine Sorge haben, denn die Standsicherheit ist in den meisten Fällen nicht gefährdet. Manche Risse existieren schon seit dem Krieg oder früheren Baumaßnahmen in der Umgebung oder sind den Eigenschaften unterschiedlicher Baumaterialen oder Temperaturen zuzuschreiben. Bei den regelmäßigen Begehungen zur Verkehrssicherung achten unsere Techniker daher sorgfältig auf größere Rissbreiten und setzen im Zweifel Gipsmarken, um Veränderungen zu verfolgen. Tatsächlich Handlungsbedarf besteht nur, wenn neue und immer breitere Risse hinzu und die Setzungserscheinungen nicht zur Ruhe kommen – wie auf der Saalhausener Straße.

Yvonne Grun & Steffen Zweinert

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