„Sport frei!“ beim Nachbarschaftshilfeverein

Ein neuer Fitnessraum ergänzt die Angebote und steht allen Dresdnern offen.

Seit 22 Jahren gibt es den Nachbarschaftshilfeverein (NHV) auf der Mittelachse in Gorbitz und bereichert das Freizeitangebot für Senioren. Zudem ist er eine wichtige Anlaufstelle, um sich auch in sozialen Notlagen beraten zu lassen. Der prall gefüllte Veranstaltungskalender lockt Menschen in ihrer 2. Lebenshälfte aus der Einsamkeit. Handarbeiten, Wanderungen, Ausflüge, Kaffeeklatsch und Handysprechstunde oder Hilfe beim Ausfüllen von Formularen – zahlreiche Angebote sind fest im Monatsplan verankert.

Ganz neu ist ein Fitnessraum, der den „Open Air- Fitness- Parcour“ auf der Mittelachse ergänzt und nach der Corona-Zeit endlich genutzt werden kann. Hier gibt es Bewegungsangebote für jede Konstitution, von der Gymnastik im Sitzen über Seniorensport bis hin zu „Rückenfit“. Crosstrainer, Laufband und Ergometer können ebenso für freies Training genutzt werden.

Die Veranstaltungen stehen allen Dresdnern offen.

„Unsere Veranstaltungen stehen allen Dresdnern offen“, erklärt Manja Schubert, die die Vereinsarbeit seit drei Jahren mit viel Engagement koordiniert. „Wir wenden uns nicht nur an Senioren. Auch wer erst das 50. Lebensjahr überschritten hat, kann unverbindlich zum Schnuppern kommen. Bei uns gibt es auch eine Tanz AG, und Schachspieler jeden Alters werden direkt gesucht.“ In der Geschäftsstelle des NHV auf dem Leutewitzer Ring 45 liegen Listen aus, wo man sich für jede Veranstaltung eintragen kann.

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Trainerin Monika Dornig Re. Mit 2 Teilnehmerinnen Foto Sabine Mutschke

Der Monatsbeitrag beträgt zwei Euro.

Als gemeinnütziger Verein wirbt der NHV e. V. für seine Arbeit Spenden ein. Ein großer Förderer ist die EWG, sie steuert jährlich gut 20.000 Euro für das Vereinsleben bei. Dadurch konnten die Mitgliedsbeiträge mit 2 Euro im Monat bisher niedrig gehalten werden. Im Jahr 2019 hat der NHV über 600 Veranstaltungen organisiert bzw. 460 im Jahr 2020 – trotz Corona. Der Unkostenbeitrag für die Teilnahme bewegt sich meist zwischen einem und zwei Euro. Bei ausgewählten Veranstaltungen kommt für Kreativmaterial oder Zutaten für kulinarische Highlights wie dem Spargel-essen im Mai ein Aufpreis dazu. Die Teilnahme an den Sportangeboten im neuen Fitnessraum ist momentan kostenfrei.
Er befindet sich im Nachbarhaus auf dem Leutewitzer Ring 47. Im Zuge der Sanierung der Würfelhäuser auf der „Mittelachse“ hatte die Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft die früheren Ladenflächen nach dem Bedarf der Mitglieder geplant. Neben Arztpraxen und Physiotherapie wurden auch für den NHV Flächen vorgesehen.

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Michael Reichel, Manja Schubert, Dr. Jürgen Hesse (v. l. nach r.)

Initiator war die Genossenschaft EWG: sie wollte die Menschen aus der Einsamkeit holen.

Von der EWG ging vor 22 Jahren auch die Initiative aus, einen Nachbarschaftshilfeverein in Gorbitz ins Leben zu rufen. Zu den Gründern zählten Mitglieder des Vorstandes, des Aufsichtsrates, Mitglieder und Mitarbeiter der Genossenschaft.

Dr. Jürgen Hesse, damals Vorstand der EWG und heute Vorsitzender des NHV, sah den Bedarf voraus: „Unsere langjährigen Mitglieder kamen ins Rentenalter und lebten nach dem Tod des Partners immer häufiger allein in ihrer Wohnung. Die Sozialarbeiterinnen der Genossenschaft wurden mit Problemen konfrontiert, die über das Wohnen in der Genossenschaft hinaus gehen. Daher haben wir den Nachbarschaftshilfeverein gegründet mit dem obersten Ziel, die Menschen aus der Einsamkeit zu holen.“

Außerdem heißt es im Statut: „Diese Hilfe, Betreuung und Beratung hilfs- und pflegebedürftiger Menschen dient in erster Linie dazu, um eine eigenständige Lebensführung in vertrauter Umgebung (Nachbarschaft) auch bei Krankheit, Alter und Gebrechlichkeit und sozialen Notlagen noch lange zu ermöglichen.“

Zehn Ehrenamtler sind das Rückrat des Vereins.

Heute hat der Verein 140 Mitglieder. Etwa zehn Ehrenamtler sind regelmäßig aktiv und als Rückrat des Vereinslebens unersetzlich. Sie helfen vor allem beim Durchführen von Veranstal-tungen oder wenn praktische Hilfe für Menschen in sozialer Notlage gefragt ist. Die Koordination übernimmt Manja Schubert. Ihre Stelle wird durch eine Tochtergesellschaft der EWG finanziert.

Der Verein ist eine Bereicherung für den Stadtteil Gorbitz.

Seit vielen Jahren arbeitet der Kaufmännische Vorstand der EWG Michael Reichel ehrenamtlich als Schatzmeister im Vorstand mit und kümmert sich um die „Zahlen und Bücher“. „Der NHV ist eine enorme Bereicherung für den Stadtteil Gorbitz“, erklärt Michael Reichel. „Seine Arbeit fördert den sozialen Zusammenhalt und beeinflusst das Image des Stadtteils in positivem Sinne.“ Generell gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen dem NHV und der EWG. Beispielsweise stellt die EWG ihren Bus für Ausflüge und größere Räume für die Weihnachtsfeier zur Verfügung oder unterstützt das Einwerben von Spenden und Fördergeldern. Auch das Sozialamt der Landeshauptstadt unterstützt den NHV, insbesondere mit Fördermitteln für das Projekt „Gemeinsam erleben – gesund bewegen“. Darüber hinaus gibt es viele Firmen und Sponsoren, die den NHV bei konkreten Vorhaben unterstützen, wie momentan beim Einbau einer Dusche im Fitnessraum.

Sabine Mutschke

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